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Die Akte Karl Valentin 33-45

Im Zusammenhang mit den Denunziationsvorwürfen in der SPIEGEL-Ausgabe 23/07 bezeichnet der bayerische SPD-Politiker Franz Maget die Erkenntnisse aus den Akten als „unhaltbare Nazi-Vorwürfe“. Valentin habe aus seiner „tiefen Skepsis gegenüber der Hitler-Herrschaft auch öffentlich keinen Hehl gemacht“ (Zitat nach Yahoo-News).
Das ist zweifellos richtig: die Akten zeigen jedoch auch den kleinlichen Denunzianten, der, obwohl unpolitisch, vermeintliche Gegner in Teufels Küche zu bringen gewillt war.
Im „Briefe“-Band der „Gesammelten Werke“ sind etliche der larmoyanten und anbiedernden Briefe an die Obrigkeit zu finden.
Es ist absolut ehrenhaft, Karl Valentin mit Verweis auf seine Kunst zu verteidigen. München und Bayern sollten tatsächlich stolz auf ihn sein. Aber seine Kunst und seine Weltsicht sind zutiefst menschlich und zum Menschen gehören auch Missgunst, Rache und Frust.
Man muss, wenn man Karl Valentin schätzt, auch seine dunkle Seite akzeptieren. Wegdiskutieren der Dokumente wirft nur ein schiefes Licht auf Herrn Maget selber.
Nachtrag vom 21.6.07:

Ein Beispiel für die „naive“ Racheverständnis von K.V. schildert Gunna Wendt in ihrer Liesl Karlstadt Biographie. Sie zitiert aus den Erinnerungen des Schriftstellers Eugen Roth, der nach einer Besichtigung von Valentins Gruselkeller (1934) sein Missfallen über die grauenvolle Ausstellung ausdrückt:

Zum Schluss […] sagte ich ihm rundheraus, dass ich für diese Abart seines Humors nichts übrig hätte, und zur Zeit schon gar nicht, wo eine schaudervolle Wirklichkeit jeden fühlenden Menschen mit Abscheu und Entstzen erfülle – ob er denn nichts von den Untaten in Dachau und in den Schinderstätten noch nichts gehört hätte.[…]
Nicht lange hernach traf ich ihn auf der Straße, er kam auf mich zu und lachte triumphierend: ‚Sie, weil Sie g’sagt hamm, dass Ihnen mein Gruselkeller net g’fallt – am selben Nachmittag war noch der Gauleiter Wagner da, was meinen S‘, wie der g’lacht hat! Ich hab ihm des erzählt, der Doktor Roth, hab i g’sagt, der hat sich so aufg’regt, so was, hat g’sagt, braucht man jetzt net künstlich machen, wo’s doch in Dachau und so an der Tagesordnung ist!‘
Seitdem bin ich überzeugt, dass der Mensch einen Schutzengel […] brauchen kann – selbst gegen den großen Komiker Karl Valentin.

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Juni 20, 2007 Posted by | Kritik | Hinterlasse einen Kommentar